Mein Plan für Langenselbolds finanzielle Zukunft: Gemeinsam für nachhaltige Stabilität 

Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger von Langenselbold, 

am 3. November wird der Haushaltsentwurf für das Jahr 2026 in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Dies ist ein entscheidender Moment für die Zukunft unserer Stadt. Ich möchte diesen Anlass nutzen, um Ihnen meinen Plan für eine finanziell stabile und zukunftsorientierte Stadtentwicklung vorzustellen.

Die finanzielle Situation unserer Stadt ist „angespannt“. Die Haushaltsplanung für 2026 zeigt uns deutlich, dass wir vor strukturellen finanziellen Herausforderungen stehen. Nach der aktuellen Haushaltsrechnung wird für 2026 ein Defizit von rund 1,2 Millionen Euro erwartet. Die Prognosen für die Folgejahre deuten auf eine Fortsetzung dieses Trends hin, mit kumulierten Fehlbeträgen von rund 4,5 Millionen Euro bis 2029. Das zeigt deutlich: Wir müssen unseren Kurs rechtzeitig anpassen.

Ein Haushaltsausgleich ist derzeit nur durch den Rückgriff auf unsere Rücklagen von rund 20 Millionen Euro möglich. Das ist keine nachhaltige Lösung. Wir finanzieren laufende Ausgaben aus unseren Ersparnissen. Wenn wir diesen Weg fortsetzen, drohen in Zukunft Steuererhöhungen oder Kürzungen bei unseren freiwilligen Leistungen wie dem Freibad oder unseren kulturellen Angeboten. Das möchte ich unbedingt verhindern.

Hinzu kommen externe Kostensteigerungen: Die Personalkosten steigen im kommenden Jahr um rund eine Million Euro, und die Umlagen an den Main-Kinzig-Kreis erhöhen sich um weitere 816.000 Euro. Diese Faktoren engen unseren finanziellen Spielraum natürlich ein.

Mein Plan für Stabilität und Wachstum basiert auf drei zentralen Säulen:

1. Strukturelle Einsparungen an der Verwaltungsspitze 

Wer Solidarität von den Bürgerinnen und Bürgern erwartet, muss an der Verwaltungsspitze mit gutem Beispiel vorangehen. Deshalb schlage ich eine sofort wirksame und strukturelle Einsparung vor. Mein Vorschlag: Die Umwandlung der hauptamtlichen Stelle des Ersten Stadtrates (Besoldungsgruppe A15) in ein Ehrenamt. Dies würde eine dauerhafte strukturelle Entlastung von mehr als 100.000 Euro pro Jahr bedeuten.

Dieser Ansatz orientiert sich an bewährten Verwaltungsstrukturen in unserer Nachbarschaft. Als Beispiele nenne ich Erlensee (rund 16.000 Einwohner) und Gründau (rund 15.000 Einwohner), die ohne hauptamtlichen Ersten Stadtrat auskommen. Als Leiter des Fachbereichs Bauwesen und Stadtservice in Erlensee habe ich selbst erlebt, dass eine effiziente Verwaltung auch ohne diese zusätzliche Leitungsebene sehr gut funktioniert.

2. Proaktive Wachstumsstrategie statt „Stopfen von Löchern“ 

Sparen allein sichert keine Zukunft. Der zweite Teil meines Plans soll Langenselbold aus der finanziellen Defensive holen. Unsere Rücklagen von mehr als 20 Millionen Euro dürfen nicht länger als kurzfristiger Ausgleich dienen. Ich möchte diese Rücklagen als Hebel für Investitionen nutzen, um langfristig Einnahmen sichern. Ein zentraler Baustein ist die schnelle und konsequente Entwicklung des neuen Gewerbegebiets an der Autobahn, um steuerstarke Unternehmen anzusiedeln und unseren lokalen Mittelstand zu stärken.

3. Starke Interessenvertretung gegenüber Land und Bund 

Drittens werde ich die Interessen Langenselbolds entschlossen und mit Nachdruck vertreten. Unsere finanziellen Engpässe sind auch eine Folge von Entscheidungen auf Landes- und Bundesebene, bei denen Aufgaben ohne ausreichende Kostendeckung auf uns Kommunen übertragen wurden. Ein Grundsatz unseres föderalen Systems lautet: „Wer bestellt, bezahlt“. Wir werden unseren Haushalt diszipliniert führen, zugleich aber auf Landes- und Bundesebene mit klarer Stimme einfordern, was uns zusteht.

Die bevorstehende Wahl ist eine Richtungsentscheidung. Ich biete dafür einen konkreten Plan, der auf Realismus und Engagement basiert.

Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass Langenselbold seine Potenziale nutzt – nicht nur seine Rücklagen. Für eine Stadt, die finanziell gesund ist und allen Generationen eine hohe Lebensqualität bietet, und das auch in Zukunft.

Ich lade Sie herzlich ein, am Montag, 3. November, in der Klosterberghalle an der öffentlichen Stadtverordnetenversammlung teilzunehmen und sich selbst ein Bild zu machen. Ich freue mich, dort oder bei anderen Gelegenheiten mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.

Ihr Wolfgang Rittershauß